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13. September 2026

Die Ursache finden, bevor man behandelt: Rückblick auf das erste NeuroSPINE-Seminar

Drei Tage, eine Fragestellung: Wo beginnt eine Beschwerde wirklich? Ein Rückblick auf das erste NeuroSPINE-Seminar in Wien – und auf die diagnostische Denkweise dahinter.

Teilnehmende und Referenten des ersten NeuroSPINE-Seminars im Europahaus Wien, Februar 2026

Ende Februar 2026 kamen in Wien Therapeutinnen und Therapeuten zusammen, um drei Tage lang eine einzige Grundfrage zu bearbeiten: Wie unterscheidet man die Stelle, die schmerzt, von der Stelle, an der das Problem tatsächlich entsteht? Es war das erste NeuroSPINE-Seminar dieser Art – geleitet von Dr. Adel Rayess (D.O.) und Florian Schöning.

Primärläsion statt Symptomort

Den roten Faden des Seminars bildete das Konzept der Primärläsion: die Struktur im Körper, die den eigentlichen Ausgangspunkt einer Fehlbelastung bildet – oft weit entfernt von der Stelle, an der später der Schmerz auftritt. Bei der gemeinsamen Analyse von Röntgenbildern erklärte Dr. Rayess das Prinzip so:

„Primary lesion is the structure that has the least damage here. Where you see the most damage is always the secondary lesion, never the primary lesion." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Mit anderen Worten: Der Ort mit dem sichtbar größten Schaden ist meist die Kompensation des Körpers – nicht die Ursache. Die eigentliche Läsion zeigt sich oft gerade dort, wo noch am wenigsten Verschleiß zu erkennen ist.

Tasten statt nur messen

Ein großer Teil der drei Tage war der praktischen Palpation gewidmet – der gezielten, sanften Tastuntersuchung von Gelenken und Bändern. Teilnehmende übten an Freiwilligen, Bewegungseinschränkungen an Iliosakralgelenk, Kopfgelenken und Wirbelsäule aufzuspüren, die auf Bildgebung allein nicht sichtbar sind. Dr. Rayess beschrieb den Unterschied so:

„The ligaments are very white here and here it's yellowish. This is how you know. No life in the area." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Die Idee dahinter: Gesundes Bindegewebe reagiert und bewegt sich; blockiertes Gewebe verliert diese Reaktionsfähigkeit – ein Befund, den man ertasten, aber nicht auf einem MRT ablesen kann.

Ein Körper kompensiert immer

Im Theorieteil ging es um das biomechanische Kompensationsprinzip: Blockiert ein Gelenk auf einer Seite, gleicht der Körper das oft kreuzweise an anderer Stelle aus – etwa wenn eine Blockade am ersten Halswirbel links zu einer Gegenbewegung am zweiten Halswirbel rechts führt. Dieses Prinzip war die Grundlage dafür, warum im Seminar so viel Zeit auf die Unterscheidung zwischen Ursache und Kompensation verwendet wurde, bevor überhaupt über eine Behandlung gesprochen wurde.

Drei Ebenen, ein Bild vom Menschen

Namensgebend für den ganzheitlichen Anspruch des Seminars war die Einteilung in drei Ebenen: biomechanisch (Manipulation und Mobilisation), biochemisch (unter anderem die im Seminar vorgestellte NeuroNJect-Injektionstechnik mit einer 5-prozentigen Dextroselösung) und bioelektrisch (Neuromodulation). Diese Einteilung soll verdeutlichen: Eine einzelne Methode allein bildet nach Auffassung der Referenten selten das ganze Bild ab.

Zum Abschluss des Seminars fasste Dr. Rayess seine Grundhaltung so zusammen:

„Life is movement. That's why when you die, you stop moving. So we are giving life again to specific joints." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Und mit Blick auf die eigene Biografie und die vieler Kolleginnen und Kollegen im Raum:

„Every person has a primary lesion. No one is born extremely happy in his life. Everyone had shocks – physical, emotional, and they are here." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Die im Seminar besprochenen Fälle und Techniken dienen der fachlichen Fortbildung und spiegeln die Erfahrung und Lehrmeinung der Referenten wider. Sie ersetzen keine individuelle Diagnostik und sind keine Zusicherung eines bestimmten Behandlungserfolgs im Einzelfall.

Über den Autor

Florian Schöning — Heilpraktiker und Physiotherapeut (M.Sc.), Mitbegründer von NeuroSPINE und Entwickler der NeuroNJect-Injektionstechnik. 20 Jahre klinische Erfahrung · 120+ Fortbildungen · NeuroNJect/Neuromodulation.

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