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12. September 2026

Präzision statt Zufall: Was das zweite NeuroSPINE-Seminar über perineurale Injektionstechnik lehrte

Wie findet man mit den Händen etwas, das kein Röntgenbild und kein MRT zeigt? Beim zweiten NeuroSPINE-Seminar standen feine Palpation und präzise Injektionstechnik im Mittelpunkt.

Teilnehmende und Referenten des zweiten NeuroSPINE-Seminars, Mai 2026

Im Mai 2026 fand das zweite NeuroSPINE-Seminar statt. Im Zentrum stand diesmal weniger die Theorie der Primärläsion selbst – die war aus dem ersten Durchgang bereits bekannt – als vielmehr ihre praktische Umsetzung: Wie tastet man präzise genug, um die richtige Stelle zu finden, und wie setzt man dort gezielt eine Injektion?

Das Jumping Sign als Wegweiser

Ein zentrales diagnostisches Werkzeug, das Dr. Adel Rayess vorstellte, ist das sogenannte Jumping Sign: eine sanfte, wiederholte Druckprüfung an bestimmten Nervenpunkten, die bei einer tatsächlichen Reizung eine charakteristische Reaktion auslöst.

„Jumping sign is give a gentle push, but the outcome is the jumping sign, you don't need to push hard." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Entscheidend ist dabei ausdrücklich nicht die Kraft, sondern die Genauigkeit der Handposition – ein Punkt, den Dr. Rayess mehrfach betonte:

„You just need to practice a little bit your sensation of the hands." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Warum die Hand oft mehr sieht als die Maschine

Ein wiederkehrendes Thema war die Grenze der Bildgebung. Manche fasziale und bindegewebige Strukturen sind laut Dr. Rayess mit heutiger Technik schlicht nicht darstellbar:

„This fascia or ligament cannot be seen on an X-ray, cannot be seen on an MRI. You need a 30-Tesla MRI to see this, which will come in the next 15 or 20 years." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Diese Einschränkung ist der eigentliche Grund, warum im Seminar so viel Zeit auf das Training der Tastsensibilität verwendet wurde, statt sich allein auf Diagnosegeräte zu verlassen.

Von der Diagnose zur Injektion

Im praktischen Teil ging es um die perineurale Injektionstechnik mit einer niedrig konzentrierten Dextroselösung (5 Prozent) – oberflächlich gesetzt, aber an anatomisch genau kartierten Punkten, unter anderem entlang bestimmter Rückenmarksnerven und großer Nervengeflechte. Dr. Rayess beschrieb den Anspruch an diese Präzision mit einem Vergleich aus einem ganz anderen Fachgebiet:

„It's like micro surgery." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Auch die Nachsorge einer Behandlung war Thema: Die Wirkung stellt sich nach seiner Erfahrung nicht sofort ein, weshalb er empfiehlt, Patientinnen und Patienten nach der Behandlung noch länger zur Beobachtung dazubehalten, statt die Sitzung abrupt zu beenden.

Eine Haltung, kein Geschäftsmodell

Bemerkenswert war auch eine Aussage zur eigenen Behandlungsphilosophie, die Dr. Rayess zu Beginn des Seminars machte – als Antwort auf die Frage, wie er den Erfolg einer Behandlung definiert:

„My only purpose is to get rid of him." (Zitat im englischen Originalwortlaut)

Gemeint ist damit ausdrücklich keine Ablehnung von Patientinnen und Patienten, sondern das erklärte Ziel, sie durch eine möglichst wirksame Behandlung schnell wieder unabhängig zu machen – statt sie in wiederkehrenden Terminen zu halten.

Auch dieser Artikel gibt die im Seminar vermittelte Lehrmeinung und Erfahrung der Referenten wieder. Er beschreibt eine Fortbildungsveranstaltung für Fachpersonal und ist keine Zusicherung eines bestimmten Behandlungsergebnisses für einzelne Patientinnen oder Patienten.

Über den Autor

Florian Schöning — Heilpraktiker und Physiotherapeut (M.Sc.), Mitbegründer von NeuroSPINE und Entwickler der NeuroNJect-Injektionstechnik. 20 Jahre klinische Erfahrung · 120+ Fortbildungen · NeuroNJect/Neuromodulation.

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